Erich Lohrmann 1931-2026

Prof. Erich Lohrmann bei einem Vortrag vor DESY-Sommerstudent:innen im Sommer 2014. Foto: DESY, Marta Mayer

DESY trauert um seinen früheren Direktor Erich Lohrmann, einen herausragenden Experimentalphysiker, der DESY und die deutsche Teilchenphysik stark geprägt hat. Erich Lohrmann starb am 10. Januar im Alter von 94 Jahren in Hamburg. Sein gesamtes Leben widmete er der Erforschung der elementaren Bausteine der Natur, der Förderung der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der Ausbildung von Forschungsnachwuchs. Als Mitglied des CERN-Direktoriums als auch als DESY-Forschungsdirektor gestaltete er die europäische Großforschung über Jahre als Forschungsmanager.

„Mit Erich Lohrmann verlieren wir einen begnadeten Physiker, Visionär und Lehrmeister“, sagt die Vorsitzende des DESY-Direktoriums, Beate Heinemann. „Schon während meines Studiums haben mich seine mitreißenden Vorlesungen motiviert. Auch später waren Gespräche mit Erich Lohrmann stets inspirierend und wertvoll. Er hat sehr viel für DESY, unsere Forschung und die Physik insgesamt geleistet.“

Erich Lohrmann kam 1961 zu DESY und forschte zuerst am 6 GeV-Elektronen-Synchrotron als Leitender Wissenschaftler der Blasenkammergruppe. Von 1968-1972 und 1979-1981 war er als Forschungsdirektor an wichtigen Weichenstellungen für DESY maßgeblich beteiligt: Er war einer der wenigen Physiker, die den damaligen DESY-Direktor Jentschke darin bestärkten, den Elektron-Positron-Speicherring DORIS zu bauen. Lohrmann initiierte für DESY wichtige internationale Kooperationen, beispielsweise mit Japan, und war der führende Physiker bei der Konzeption und Realisierung des PLUTO-Detektors, der an DORIS stand und später an den Speicherring PETRA umzog. Dort setzte er sich für den Bau einer supraleitenden Spule ein und legte damit den Grundstein für die Expertise in der supraleitenden Technologie, später eine entscheidende Voraussetzung für den Bau von HERA. Für das HERA-Projekt unterstützte Lohrmann mit großer Überzeugung den zukunftsweisenden Vorschlag von Björn Wiik, den Elektron-Proton-Collider mit einem supraleitenden Protonen-Speicherring von sechs Kilometer Umfang zu bauen. Lohrmann war dann maßgeblich an der Forschung bei HERA beteiligt und förderte gleichzeitig den Ausbau der Forschung mit Synchrotronstrahlung.

Als Professor der Universität Hamburg hat Lohrmann außerdem viele Generationen von Nachwuchsforschern ausgebildet. Seine Bücher zur Hochenergiephysik sowie zu statistischen und numerischen Methoden der Datenanalyse gehören zu den Standardlehrbüchern. Er hat frühzeitig erkannt, dass DESY eine eigene IT-Gruppe braucht. Viele seiner ehemaligen Studenten haben in dieser Gruppe gearbeitet.

Zusammen mit Paul Söding dokumentierte er im Buch „Von schnellen Teilchen und hellem Licht“ eindrucksvoll die Geschichte der Entwicklung von DESY zu einem der führenden Forschungszentren der Welt. Für seine Verdienste um die physikalische Forschung und die wissenschaftliche Gemeinschaft wurde Lohrmann 2016 mit der Goldenen DESY-Ehrennadel ausgezeichnet – eine Anerkennung seines Lebenswerks und seines unermüdlichen Engagements.

Auch nach seiner Emeritierung war Lohrmann in der Forschung aktiv und häufig bei DESY anzutreffen. Dabei leistete er wesentliche Beiträge zum Betrieb und zur Datenanalyse des ZEUS-Experiments und stellte im Experiment GRAVI Newtons Gravitationsgesetz auf die Probe.

Mit Erich Lohrmann verlieren DESY und die Physik einen Wissenschaftler von großer Weitsicht, einen Lehrer mit Herz und einen inspirierenden Gelehrten. Sein Beitrag zur Physik und zur Förderung wissenschaftlicher Exzellenz wird in Erinnerung bleiben und zukünftige Generationen weiter prägen.